St. Peterburgs Busfahrer sollen von 2011 an einheitlich eingekleidet werden, nicht mehr am Steuer rauchen, telefonieren oder während der Fahrt kassieren dürfen. Das hat die Stadt angekündigt. Busunternehmen, die sich an der Ausschreibung für eine neue Lizenz beteiligen, müssen die Einhaltung der Auflagen garantieren….

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In 500 Tagen um den Mars

März 24, 2009

MarsDie europäische Weltraum- organisation ESA und die russische Weltraumbehörde Roskosmos beginnen ein gemeinsames Projekt zur Vorbereitung eines bemannten Marsfluges. Dabei werden 6 Probanden 105 Tage in einer nachgebauten Weltraumkapsel verbringen. Unter ihnen ist auch ein Deutscher.

Doch dies ist erst der Vorläufer für einen 500 Tage dauerenden Test. Das ist die ungefähre Zeitspanne, die man für einen Hin- und Rückflug zum Mars berechnet hat.  Bei dem Experiment werden die Versuchspersonen vollkommen von der Außenwelt isoliert das Leben während des Raumfluges simulieren. Selbst der Funkkontakt zur „Bodenstation“ wird 40 Minuten betragen. Solange brauchen die Signale  aus  einem Raumschiff zur Erde und zurück. Der erste echte Flug soll noch vor 2050 möglich sein.

Quelle und weitere Einzelheiten:

MDZ – Planet Big Brother

dsc04313Was in Deutschland die Regionalbahnen sind, sind in Russland die „Elektrischen“. Ihr Name kommt wohl daher, dass sie im Gegensatz zu den Diesellokomotiven der Fernbahnen über ein elektrische Oberleitungsnetz angetrieben werden. Sie verbinden in Russland die großen Städte mit der angrenzenden Peripherie.

dsc02904In St. Petersburg gibt es mehrere Sackbahnhöfe aus denen die Vorortzüge sternenförmig in den Umkreis von bis zu 300 km die größeren Städte anfahren. Auf der Strecke wird aber auch an kleineren Orten halt gemacht. Oft habe die Haltestellen nur den Namen des zurückgelegten Kilometers.

dsc04334Meine Haltestelle nennt sich 21.ter Kilometer. Seine Stelle bezeichnet eine historisch bedeutende Grenze: Hier befand sich der äußerster Verteidigungsring gegen die deutsche Wehrmacht während der Belagerung Leningrads. Noch heute erinnern zwei kleine Geschütze an diese tragische Zeit. Der kleine Erdwall dient aber mittlerweile im Winter hauptsächlich als Eisrutsche für die Kinder.

dsc04331Der Komfort ist eher bescheiden und man sollte im Winter tunlichst in warmer Kleidung in die zugigen Abteile steigen. Auf den robusten Bänken drängt man sich oft zu dritt nebeneinander und ich staune oft, wieviele Leute in die Waggons passen, wenn ich an den Haupthaltestellen die großen Menschenmassen sehe, die sich an den Türen versammeln.

dsc043321Wer es gesellig mag, kommt in der „Elektritschka“ auf seine Kosten. Es darf  gegessen und getrunken werden (was in der Metro streng verboten ist).  Für Abwechslung sorgen außerdem immer wieder fliegende Händler, die von Waggon zu Waggon gehen und lautstark ihre Produkte feilbieten. Hier kann man so manchen Gelegenheitskauf machen, auf den man sonst nicht kommen würde.

Zum festen Programm einer Fahrt gehören meist auch mal weniger und mal erstaunlich gute Gesangseinlagen, die oft von von Gitarre oder Akkordeon begleitet werden. Für mich gehört die Elektritschka trotz aller Mängel zum beliebtesten Verkehrsmittel. Hier ist man wirklich mittendrin und auch dabei.

Weitere Artikel zum Thema „Elektrische“:

Interview mit einem Lokführer (aus der Moskauer Deutschen Zeitung)

Über das Schwarzfahren (aus der Moskauer Deutschen Zeitung)

dsc04319Olga ist Russin und arbeitet als Hauptbuchhalterin bei einer Computerfirma. In ihrer Freitzeit lernt sie die deutsche Sprache und schreibt in diesem Blog über das Steuersystem und verschiedene gesetzliche Bestimmungen in Russland.

In Russland gibt es eine so genannte Einheitssozialsteuer (ESN). Diese Enheitssozialsteuer bezahlen alle Arbeitgeber. Die Sozialsteuer beträgt 26,0 % der Gesamtsumme des Gehalts.

Die verschiedenen Teile der Einheitssozialsteuer

Die Arbeitgeber überweisen 3,2% dem Sozialamt. Das Sozialamt bezahlt das Krankengeld für die Arbeitnehmer, die Kinderlager, die Kinder-Sanatorien und Kuren für die Arbeitnehmer.

Ein Betrag in Höhe von 3,1% geht zum Krankenversicherungsamt. Dieses Amt zahlt alle Kosten, die mit dem staatlichen Gesundheitswesen verbunden sind. Davon erhält das s.g. Territorialkrankenversicherungsamt 1,1% (das ist die Stadt- oder Länderebene) und das s.g. Föderalkrankenversicherungsamt 2,0% (das ist die Staatsebene).

Der Rest in Höhe von knapp 20% geht ins Föderalbudget.

Das Föderalbudget

6% davon verbleiben direkt in Föderalbudget. Leider kann ich nicht genau erklären, wofür dieses Geld ausgegeben wird. Aus dem Föderalbudget werden verschiedene Föderalprogramme finanziert (,z.B. wurde für einige Krankenhäuser moderne Technik gekauft – ich hoffe zumindest, dass es so ist).

14% des Föderalteils gehören zum Rentenfonds. Dieser Rentenanteil wird noch einmal geteilt. Dabei muss der Arbeitgeber zwei Gruppen von Arbeitnehmern unterscheiden. In der ersten Gruppe sind die Arbeitnehmer, die älter als 41 Jahre alt (1967 Geburtsjahr und älter) sind. Für diese Gruppe bezahlt der Arbeitgeber die gesamten 14% als s.g. Versicherungsteil in den Rentenfond. Für alle anderen Arbeitnehmer bezahlt der Arbeitgeber 8% als Versicherungsteil und 6% als s.g. Sparteil in den Rentenfond.

Die Rente

Zurzeit wird das russische Rentensystem reformiert. Früher gab es genug Arbeiter und die Rente wurde von der Steuer der Arbeiter bezahlt. Jetzt ist die Zahl der Rentner grösser als die Zahl der arbeitenden Bevölkerung. Deswegen entwickelt unsere Regierung ein neues System. Jeder Arbeitnehmer soll jetzt selbst an seiner Rente denken und auf seine Rente sparen. Leider sind die Arbeitnehmer, die älter als 41 Jahre alt sind, vom staatlichen Sparteil der Rente ausgeschlossen. Das wurde so gemacht, damit es leichter ist, zu einem anderen System zu wechseln.

Die Struktur der Rente ist heute wie folgt:

1. Basisteil: Der Basisteil ist für die Leute, die im Rentenalter sind und mindestens 5 Jahre lang gearbeitet haben.

2. Versicherungsteil: Den Versicherungsteil bekommt man, wenn man 15 s.g. Versicherungsdienszeiten hat.

3. Regionalzusatz

4. Sparteil: Der Sparteil wird von den Leuten, die junger als 41 Jahre alt sind, gebildet.

dsc04319Olga ist Russin und arbeitet als Hauptbuchhalterin bei einer Computerfirma. In ihrer Freitzeit lernt sie die deutsche Sprache und schreibt in diesem Blog über das Steuersystem und verschiedene gesetzliche Bestimmungen in Russland.

In Russland gibt es verschiedene Steuern. Ein Mensch, der nicht selbstständig ist, muss folgende Steuern bezahlen: Einkommenssteuer, Vermögenssteuer und Verkehrsmittel- steuer. Im Folgenden geht es um die Einkommenssteuer.

Die Rate der Einkommenssteuer ist unterschiedlich. Für die Höhe ist es entscheidend, ob man als Inländer oder Ausländer gilt. In dem Steuergesetzbuch ist das Kriterium sehr klar beschrieben: Wenn man mehr als 183 Tage in einem Jahr in Russland verbracht hat, gilt man als Inländer. Hat man weniger als 183 Tage in Russland verbracht, gilt man als Ausländer. Außerdem hängt die Rate von der Einkommensquelle ab.

Die erste Variante ist Einkommen aus einer anteilsmäßigen Beteiligung an einem Unternehmen. Für dieses Einkommen gilt eine 9%ige Rate. Wenn man irgendwelche Gewinne aus Spielen, Verlosungen usw. bekommt, muss man dafür eine Steuer in Höhe von 35% bezahlen. Das ist die zweite Variante. Für alle anderen Einkommen gilt eine 13%ige Rate.

Bestimmte Ausgaben für das Wohnen (z.B. Wohnungskauf) oder die Gesundheit können nachträglich in der Steuererklärung angegeben werden. Die Summen werden nicht auf das Einkommen angerechnet und man erhält die gezahlten Steuern zurück.

Für Ausländer gilt bei Dividenden eine 15%ige und bei allen anderen Einkommen eine 30%ige Steuerrate. Allerdings wird seine Steuer rückwirkend neu berechnet, wenn er länger als 183 Tage in Russland ist (s.o.).

Gasstreit ist beigelegt

Januar 21, 2009

gashahnGazprom und Naftogaz haben nach direkten Verhandlungen zwischen Putin und Timoschenko einen neuen Liefervertrag für 10 Jahre unterzeichnet, der auch die Transitgebüren nach Europa regelt.

Die Preise für die Ukraine werden demnach an die europäische Preisformel angepasst (d.h. an den Erdölpreis gekoppelt) und werden alle drei Monate an die europäische Preislage angeglichen. Lediglich im Jahr 2009 gibt es noch einen Nachlaß von 20 %.

In Zukunft wird der Gashandel ohne den Zwischenhändler Rosukrenergo ablaufen, um das Geschäft transparenter zu gestalten. Die in der Schweiz ansessige Gesellschaft hatte bisher das Gas  in Russland aufgekauft und dann in einer Mischkalkulation mit turkmenischem Gas an die Ukraine weiterverkauft. Ihre Rolle ist undurchsichtig und sie hat wahrscheinlich maßgeblich zum Gasstreit beigetragen.

Die Transitgebüren für die Durchleitung des Gases nach Europa werden nach einem Nachlaß in diesem Jahr ebenfalls auf den marktüblichen Preis angehoben.

Russland hat damit  seine wesentliche Ziele (Preisanpassung an europäisches Niveau und verbindliche, transparente Verträge) erreicht. In der Ukraine sind die Verträge umstritten. Präsident Juschtschenko hält den Abschluss für zu hoch. Hierbei spielen aber wohl die internen Machtkämpfe die Hauptrolle.

Ihm wird vorgeworfen persönlich oder über sein Präsidalamt mit dem ausgebooteten Zwischenhändler verquickt zu sein. Es geht also um viel Geld. Außerdem kämpfen Juschtschenko und Timoschenko um eine gute Ausgangsposition für die Präsidentenwahlen Ende 2009.

Juschtschenko könnte  dann tatsächlich zu den Verlierern gehören, weil sich Timoschenko im Machtstreit mit ihm jetzt als die Person präsentieren kann, die das Problem gelöst hat. Vielleicht war ihr Krisenmangement also schon eine Empfehlung für das Präsidentenamt.

Quellen und weitere Hintergründe:

http://de.rian.ru/analysis

http://www.spiegel.de/wirtschaft

http://de.rian.ru/postsowjetischen

freundschaftspins-ukraine-russlandFrage ich russische Freunde und Kollegen, bekomme ich immer wieder zur Antwort, dass früher – zur Zeit der Sowjetunion – das Verhältnis zwischen Ukrainern und Russen besonders gut und herzlich war. Viele Menschen aus beiden Ländern haben bis heute verwandtschaftliche oder freundschaftliche Verhältnisse untereinander. Viele Russen leben in der Ukraine und umgekehrt.

Das gepflegte Feindbild

In der öffentlichen Debatte auf der Weltbühne sieht dies ganz anders aus. Dort giften sich die jeweiligen Führer an und bezichtigen sich im aktuellen Gasstreit der gegenseitigen Erpressung. Die ukrainische Führung sucht dabei Unterstüzung bei den Polen, den baltischen Staaten und den USA. Diese Konstellation ist schon aus dem Georgien-Konflikt bekannt, als Juschtschenko nicht müde wurde, seine Solidarität mit Saakaschwili zu betonen.

baerDie Ukraine stellt sich dabei gern als Opfer russischer Großmachtpolitik dar. Russland würde die Gaslieferungen als Instrument zur Destabilisierung der Ukraine benutzen. Das passt wunderbar ins schon während des Georgien-Konfliktes gepflegten Feindbildes vom unberechenbaren, aggressiven Russland. Außerdem erscheint Russland durch das Ausbleiben der Gaslieferungen im Westen als unzuverlässiger Handelspartner.

Richtig ist wohl, dass die russische Regierung kein Interesse an einer Stabilisierung der ukrainischen Regierung unter Juschtschenko hat. Die Ukraine lässt zur Zeit keine Provokation gegenüber Russland aus. Sei es die militärische Unterstützung Saakaschwili, das Verdrängen der russischen Sprache, die Teilnahme an NATO-Manövern oder eben jetzt die Weigerung weitere Gaslieferungen vertraglich zu fixieren.

gaspipelineWarum also sollte Russland der Ukraine das Gas weiter zu Vorzugspreisen anbieten?  Eine Regierung, die sich so eindeutig gegen Russland positioniert, kann wohl kaum noch mit besonderer Rücksichtnahme oder finanzieller Bevorzugung rechnen? Die schrittweise Anhebung der Gaspreise auf Weltmarktniveau ist also aus Sicht der Russen nur Recht und Billig.

Woher nehmen, wenn nicht stehlen?

Allerdings trifft es die Ukraine in einer denkbar ungünstigen Situation. Innenpolitisch total zerstritten und wirtschaftlich mit dem Rücken zur Wand scheint sie zu rationaler Politik nicht mehr fähig zu sein. Angesichts der hohen Restschuld und der neuen Gaspreise hat sie offenbar die Nerven verloren und setzt alles auf eine Karte.

red_gas_pumpIhr einziger Pfand im großen Gasstreit sind dabei die Gasleitungen. Durch den Stopp des Gastransports erpresst sie Russland und nimmt gleichzeitig Europa mit in die Haftung für ihre Schulden. Eine isolierte Vereinbarung die den Transport des Gases nach Europa überwacht, ohne dass ihre eigene Gasversorgung wieder hergestellt wird, muss sie deshalb mit alle Mitteln verhindern (siehe Chronologie der Ereignisse).

Und promt gab es kurz nach der Unterzeichnung der Vereinbarung zur Entsendung von EU-Beobachtern weitere Probleme. Zunächst hatte die Ukraine nachträglich handschriftlich einen Passus eingefügt, dass mit dieser Vereinbarung auch jede Restschuld gegenüber Russland getilgt sei. Außerdem hat sie die Beobachter nicht wie abgesprochen Zugang zu den Verteilerstationen gewährt.

tauziehenDas vorerst letzte Hindernis, das die Ukraine nun entdeckt hat, ist die kostenlose Bereitstellung von „technischem Gas„, was für die Sicherstellung des Transits notwendig sei. Die Bildung eines internationalen Konsortiums, das dieses Gas Russland abkauft und dann der Ukraine zur Verfügung stellt, wäre eine Lösung – wenn es denn für die Ukraine das eigentliche Problem wäre.

Nein, sie wird eine Vereinbarung solange torpedieren, bis nicht entweder Russland zu finanziellen Zugeständnissen bereit ist oder Europa sich bereit erklärt, mit Krediten auszuhelfen. Angeblich hat Berlusconi solch einen Kredit bereits angeregt und auch Russland sei bereit sich daran zu beteiligen.

Gewinner und Verlierer

Sollte es dazu kommen, wird die Ukraine dadurch vielleicht wirtschaftlich eine kleine Verschnaufpause erhalten – politisch hat sie sich eher isoliert. Zumindest werden die westlichen europäischen Länder noch gründlicher über eine mögliche EU-Mitgliedschaft der Ukraine nachdenken. Europa hat großes Interesse an einem Handel mit Russland und wird sich das kaum von „Neu-Europäern“ kaputt machen lassen.

timoschenko118639020Viele Ukrainer haben sich schon von den Vertretern der „orangenen Revolution“ abgewendet. Der Bruch mit Russland und die Anbiederung an die USA haben den Menschen bisher kaum Vorteile gebracht. Nun scheint auch eine baldige europäische Integration fragwürdig.

Der „Vorwurf“, den man Russland machen kann, ist, dass es eine harte und unnachgiebige Verhandlungsposition einnimmt und bisher nicht bereit ist, angesichts der wirtschaftlichen Schwierigkeiten in der Ukraine finanzielle Einbußen hinzunehmen. In Russland wäre eine milde Haltung im Gasstreit gegenüber der Ukraine schwer nachzuvollziehen – zu feindlich und zynisch (im Georgien-Konflikt) hat sich die Regierung Juschtschenkos gegenüber Russland verhalten. Zudem steht das Land  selbst unter starkem wirtschaftlichem Druck und will zurzeit keine Rubel verschenken.

Außerdem ist Russland die taktischen Spielchen der Ukraine leid und vielmehr an einer „europäischen Lösung“ interessiert – dass heißt unter  Einbeziehung der EU in die Abwicklung des Gastransits.

nordstream010708Russland könnte dann sogar als Gewinner aus dem Gasstreit hervorgehen. Gelingt es ihm, den Gastransit künftig von einer internationalen Beobachterkommission überwachen zu lassen und von einem gemeinsamen Konsortium zu finanzieren, wäre es in Zukunft weniger erpressbar. Außerdem bietet der gegenwärtige Gasstreit starke Argumente für den Bau der Nord-Stream-Pipeline zwischen dem russischen Vyborg und Greifswald in Mecklenburg.

Es bleibt der Imageschaden für Russland. Allerdings muss man hier wohl zwischen der „öffentlichen Meinung“ und der realen Einschätzung hiesiger Wirtschaftsvertreter unterscheiden. Für den durchschnittlichen Zeitungsleser mögen die häppchenweise aufgeschnappten Überschriften  a la Russland dreht den Gashahn zu den Eindruck vom unberechbaren und gefährlichen Russland festigen, was natürlich auch politischem Kalkül entspricht.

Aber die Wirtschaft orientiert sich an den realen Fakten und da hat sich Russland wie kaum ein anderes Land als verlässlicher Gasexporteur bewährt. Nur öffentlich im Gasstreit für Russland Partei zu ergreifen, ist in Westeuropa immer noch riskant. Man wird dann allzu schnell zum Russland-Freund abgestempelt.

Chronologie der Ereignisse:

  • 1.01.2009 Die Verträge zwischen der Ukraine und Russland liefen zum Ende des Jahres 2008 aus. Russland verlangte von der Ukraine die Rückzahlung ihrer Schulden und boten ihr einen neuen Liefervertrag zu höheren aber immer noch moderaten Gaspreisen an.  Ein neuer Vertrag mit einer Anhebung von ehemals 180$ auf 250$ pro 1000 Kubikmeter schien bereits in greifbarer Nähe. ( Im Vergleich: die Preise für andere europäische Länder sollen im ersten Quartal 2009 auf 280$ gesenkt werden, nachdem  sie im Verlaufe des Jahres schon über 400$ gelegen hatten.) Die Ukraine ließ die Verhandlungen aber in letzter Minunte platzen. Darauf stellte Russland die Gaslieferungen an die Ukraine ein und speiste nur noch die reine Transitmenge nach Westeuropa ein.
  • 7.01.2009 Russland beschuldigt die Ukraine Gas illegal abzuzapfen und dreht den Gashahn daraufhin komplett ab. Damit sind nun auch andere europäische Staaten von Gasausfällen betroffen.
  • 12.01.2009 Nach zähen Verhandlungen auf Druck der EU ist die Ukraine bereit, den Gastransit von internationalen Beobachtern überwachen zu lassen. Die Vereinbarung droht an einem nachträglich handschriftlich eingefügten Zusatz durch die ukrainische Seite zu scheitern. Russland verlangt von der Ukraine nachwievor die Begleichung der Restschuld und den Abschluss verbindlicher Lieferverträge, allerdings wird das Angebot über günstigerere Preise zurückgezogen.
  • 13.01.2009 Die Ukraine blockiert die Weiterleitung des eingespeisten Gases. Als Gründe werden nicht hinnehmbare Transitbedingungen genannt, die sich vor allem auf die kostenlose Bereitstellung des „technischen Gases“ beziehen.
  • 15.01.2009 Putin wirbt für ein Gaskonsortium mit Europa, um die Energieblockade zu beenden.
  • to be continued…

Artikel zum Thema:

Ukraine blockiert sich ins Abseits

Der liberale Moskauer Politologe Lukjanow im Spiegel-Interview zum Gasstreit

Gas-Gipfel: Europa muss umdenken, auch gegen Kiew

Interview mit Klaus Mangold vom Ost-Ausschuss der deutschen Wirtschaft

de.wikipedia.org/wiki/Russisch-ukrainischer_Gasstreit

www.gerhard-mangott.at